Wappen Bandknopf

Was bedeutet der Zirkel?

20.08.2010 - Autor: Kuckuck - Keine Kommentare »

Märkerzirkel als SiegelBei den Zirkeln der Studentenverbindungen handelt es sich um eine Art Monogramm, d.h. es sind kunstvoll ineinander verschlungene Buchstaben, die so ein einzelnes Zeichen bilden. Ihren Ursprung fanden sie gegen Ende des 18. Jahrhunderts bei den studentischen Orden. Sie dienten vordergründig als Erkennungzeichen der Mitglieder, die bei Unterschriften hinter dem eigenen Namen angebracht wurden.

Auch heute ist der Zirkel neben den Farben einer Korporation ein wichtiges Erkennungszeichen. Er ziert in der Regel alle Unterschriften, die im Zusammenhang mit der Verbindung geleistet werden, beispielsweise unter Einladungen oder in Gästebüchern. Doch auch couleurstudentische Gegenstände, wie Krüge, Gläser, Kopfbedeckungen, Zipfel, Bandknöpfe, Buchdeckel oder Fahnen sind häufig mit einem Zirkel verziert. Nicht farbentragende Verbindungen, sogenannte schwarze Bünde, führen den Zirkel oft als einziges äußeres Erkennungsmerkmal.

In diesem Artikel soll nun der Zirkel der KDStV Marchia im Detail erläutert werden, wobei einzelne Zeichen bei anderen Verbindungen davon abweichende Bedeutungen haben können. Denn die Interpretationen sind vielfältig und hängen neben den eingesetzten Buchstaben auch von der Art der zugehörigen Verbindung ab.

Zirkel: MDas “M” stellt ganz deutlich den Mittelpunkt unseres Zirkels da. Kein Wunder, steht denn es steht für Marchia, also den Namen unserer Verbindung. Es ist zudem auch das Zeichen, das zuerst gezeichnet wird. Man setzt den Stift unten links an und zeichnet zunächst die beiden Bögen des “M”.

Die weiteren Buchstaben sind um dieses “M” geschlungen, was sich durch deren Bedeutung schnell erklärt:

Zirkel: vFortgesetzt wird der Zirkel mit drei Kringeln, die sich vom Fuß des “M” aus nach links schlingen. Betrachtet man diesen Bereich direkt in der unteren Mitte, kann man hier ein “v” erkennen.

In unserem Zirkel steht dieses “v” für “vivat”, lat. “er/sie/es lebe”.

 

Zirkel: cNun schlägt der Zirkel einen Bogen nach oben und bildet wieder einen kleinen Kringel, der den linken, äußeren Strich des “M” berührt. Auch hier hilft ein genauer Blick auf diese Stelle, um den eingebundenen Buchstaben zu erkennen.

Es handelt sich hier um ein “c”, das in diesem Zusammenhang für das lateinische “crescat”, also “er/sie/es wachse” steht.

Zirkel: fDas “c” wird nun mit einem Schweif über das “M” fortgesetzt. So entsteht ein weiterer Buchstabe, der auf dem ursprünglichen “c” und dem hinzugekommenen Schweif besteht. Auf den ersten Blick kann man hier ein “E” vermuten, was sogar bei den Zirkel einiger anderer Verbindungen richtig wäre, doch hier handelt es sich um den Kleinbuchstaben “f” für “floreat”, “er/sie/es gedeihe”. Dies ist nicht einfach durch Fantasie begründet, vielmehr muss man sich an älteren Schriftbildern orientieren, aus denen die verschlungenen Zeichen entlehnt sind.

Führt man die drei Kleinbuchstaben zusammen, erhält man so den lateinischen Ausspruch “vivat, crescat, floreat”, also “lebe, wachse und gedeihe”. Durch die Umrahmung des “M” ergibt sich daraus die Bedeutung des Zirkels: “Vivat, crescat, floreat Marchia” (“Marchia lebe, wachse und gedeihe”).

Zirkel: !Abgeschlossen wird der Zirkel mit einem Ausrufezeichen, dass der Aussage des Zirkels zusätzliches Gewicht verleiht (“Vivat, crescat, floreat Marchia!”). Gerne wird es auch als “ad multos annos!” (auf viele Jahre!) gelesen. Das Ausrufezeichen wird nur von Burschen und Alten Herren hinter den Zirkel gesetzt. Füxe, also Neumitglieder in der gegenseitigen Kennenlernzeit, verzichten darauf. Somit ist das Satzzeichen auch ein Kennzeichen dafür, dass das Mitglied dem Bund auf Dauer beigetreten ist.

Chargen fügen hinter dem Zirkel zusätzlich das Kürzel ihres Amtes an. In Klammern kann man zudem Chargen früherer Semester aufführen. Dadurch sind Gästebücher, in denen immer mit Zirkel unterschrieben wird, für viele Verbindungen wertvolle Dokumente zur Rekonstruktion der Verbindungsgeschichte, falls z.B. während der Weltkriege Unterlagen verloren gingen.

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